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Fruchttypologie

Zusammenfassung

 

Die FRUCHTTYPOLOGIE ist ein kategorisches Merkmal, das die ökologischen Charakteristika einer Frucht in Bezug auf Samenausbreitung beschreibt.

 

 

Merkmalsbeschreibung

 

Die FRUCHTTYPOLOGIE (Spalten-Code: FRUIT_TYPE) ist als eine der in Tab. 1 aufgelisteten Kategorien kodiert. Das Kodierungsschema hat zwei hierarchische Ebenen, bei denen sich die erste überwiegend darauf bezieht, ob sich die Frucht während der Samenreife und -ausbreitung öffnet oder aber geschlossen bleibt. Die zweite Ebene bezieht sich auf Aufbau und Öffnungsverhalten des Perikarps.

Bei Sammelfrüchten oder Früchten mit zusätzlichen Strukturen (bis hin zum gesamten Fruchtstand) wird die gesamte Struktur charakterisiert, wenn sie der Ausbreitung, insbesondere durch Tiere, dient. Beispielsweise werden sowohl Fragaria vesca mit Nüsschen (d.h. mehreren sich nicht öffnenden hartummantelten Früchtchen), als auch Rubus idaeus mit Steinfrüchtchen (d.h. mehreren sich nicht öffnenden Früchtchen mit einem fleischigen Mesokarp) als fleischige Früchte eingestuft.

Arten mit mehr als nur einem Fruchttyp (z.B. Rosa-Arten, bei denen die gesamte Hagebutte als fleischige Frucht agieren kann, die sich später aber auch öffnen und dabei die Nüsschen freisetzen kann – wodurch sie zur Öffnungsfrucht wird) werden als "heterodiaspor" bezeichnet (vgl. Heterodiasporie).

 

 

Tab. 1. Charakterisierung verschiedener Fruchttypen

Nr.

Kategorie

Beschreibung und Beispiele

 

1

Schließfrucht


('indehiscent fruit')

Das Perikarp öffnet sich während der Reifung nicht.

Diese Kategorie wird nur verwendet, wenn keine Angabe zur Unterkategorie vorliegt.

1a

Nicht-fleischige Schließfrucht

('non-fleshy indehiscent fruit')

Geschlossen bleibende Früchte mit einem harten oder holzigen Perikarp.

 

Z.B. Poaceae, Asteraceae, Quercus, Ranunculus 

Quercus robur - Fruchtstand mit drei Nüssen.

 

 

 

 

 

1b

Fleischige Frucht

('fleshy fruit')

Geschlossen bleibende Einzel- oder Sammelfrüchte mit einem fleischigen Perikarp, unabhängig davon, woraus sich das Fruchtfleisch entwickelt.

 

Z.B. Malus, Prunus, Rubus, Fragaria

Rubus fruticosus agg. - Die Früchte werden aus vielen Steinfrüchtchen gebildet.

 

 

 

 

 

 

1c

Panzerbeere

('pepo')

Geschlossen bleibende Früchte mit ledriger oder fester Schale und einer fleischigen Innenschicht.

 

Z.B. Citrus, Cucurbita

Cucurbita pepo - Die Frucht hat eine feste Schale.

 

 

 

 

2

Öffnungsfrucht

('dehiscent fruit')

Das Perikarp öffnet sich während der Reifung; typischerweise fungieren die Samen als Diasporen. Zu den sich öffnenden Früchten gehören z.B Balgfrüchte, Kapseln, Hülsenfrüchte oder Schoten.

Diese Kategorie wird nur verwendet, wenn keine Angabe zur Unterkategorie vorliegt.

 

 

 

 

2a

Frucht mit nach oben gerichteter Öffnung

('fruit with upright aperture')

 

Sich öffnende Frucht, typischerweise mt einer Öffnung am oberen (distalen) Ende. Diese Position erlaubt den Samen eine längere Verweildauer in der geöffneten Frucht.

 

Z.B. Papaver rhoeas, viele Caryophyllaceae, Saxifragaceae

Silene noctiflora - Die Samen werden aus der Öffnung am oberen Ende der Kapsel freigesetzt.

 

 

 

 

 

2b

Frucht mit seitlicher Öffnung

('fruit with lateral apperture')

Sich öffnende Früchte, die typischerweise eine große Öffnung an der Seite oder unten aufweisen. Diese Position erlaubt den Samen eine rasche Freisetzung. Dennoch können die Samen auch länger verweilen, z.B. wenn sie fest mit der Frucht verbunden sind.

 

Z.B. viele  Brassicaceae, Fabaceae, Scrophulariaceae, Epilobium

Laburnum anagyroides - Hülsenfrucht; an den Bauch- und Rückennähten des Karpells bereits geöffnet; die Samen sind noch mit der Frucht verbunden, die eine seitliche Öffnung aufweist.

3

Explosiver Freisetzungs-mechanismus

('explosive release mechanism')

 

Öffnungs- oder Schließfrüchte mit einem explosiven Freisetzungsmechanismus.

 

Z.B. viele Cardamine, Euphorbia, Geranium, Impatiens

Geranium sanguineum Geranium sanguineum - Frucht vor (links) und nach (rechts) explosiver Samenfreisetzung.

4

Nacktsamer-Typus

('gymnosperme type')

Samen von Gymnospermen mit oder ohne Hüllstrukturen.

 

Gymnosperme, z.B. Abies, Pinus, Juniperus, Taxus

Larix decidua - Zapfen mit vielen geflügelten Samen (unsichtbar), die als Diasporen fungieren.

5

sonstige

('other')

Fruchttypen, die in keiner der oben aufgeführten Kategorien berücksichtigt wurden.

 

6

nicht anwendbar

('not applicable')

Reserviert für

a) Arten, die typischerweise keine Diasporen produzieren, z.B. sterile Hybriden wie Betula x aurata,

und b) für vegetative Diasporentypen, z.B. einige Poa-Arten, Deschampsia.

Poa alpina - Die Ährchen werden zu vegetativ hervorgebrachten Bulbillen umgewandelt, die ihre Entwicklung rasch beginnen (Pseudoviviparie).

Herkunft der Daten

 

Die verschiedenen Kategorien der FRUCHTTYPOLOGIE wurden nach genauer Betrachtung der Diasporen und Früchte bzw. von Bildmaterial sowie einer intensiven Literatur- und Internetrecherche zugeordnet.

 

 

Ausgewählte Literatur

 

Bojňanský, V. & Fargašová, A. (2007): Atlas of seeds and fruits of Central and East-European flora. The Carpathian Mountains region. Springer, Dordrecht.

 

Brouwer, W. & Stählin, A. (1975): Handbuch der Samenkunde für Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwirtschaft. DLG-Verlag, Frankfurt.

 

Graf, J. et al. (1987): Tafelwerk zur Pflanzensystematik. Einführung in das natürliche System der Blütenpflanzen. Springer-Verlag.

 

Hegi, G. (1908ff): Illustrierte Flora von Mittel-Europa. Mit besonderer Berücksichtigung von Deutschland, Oesterreich und der Schweiz. Zahlreiche Bände in drei Auflagen. J. F. Lehmanns Verlag, 2. und 3. Auflage bei Paul Parey und Weissdorn-Verlag.


Hilger, H.H. & Hoppe, J.R. (1995): Die morphologische Vielfalt der generativen Diasporen – Präsentation eines Lehr- und Lernschemas. Feddes Repertorium 106, 503-513.

 

Müller-Schneider, P. (1977): Verbreitungsbiologie (Diasporologie) der Blütenpflanzen. Veröffentlichungen des Geobotanischen Institutes der ETH, Stiftung Rübel 61.

 

Müller-Schneider, P. (1986): Verbreitungsbiologie der Blütenpflanzen Graubündens. Veröffentlichungen des Geobotanischen Institutes der ETH, Stiftung Rübel 85.

 

Otto, B. (2002): Merkmale von Samen, Früchten, generativen Germinulen und generativen Diasporen. In: Klotz, S., Kühn, I. & Durka, W. [Hrsg.] (2002): BIOLFLOR - Eine Datenbank zu biologisch-ökologischen Merkmalen der Gefäßpflanzen in Deutschland. - Schriftenreihe für Vegetationskunde 38, Bonn: Bundesamt für Naturschutz, 177-196.